die Geschichte der cha-lu-pa
Blind gekauft / Bis auf die Knochen saniert / Der längste Tag / Happy End / Kurze Geschichten
ohne Besichtigung
Der Makler nahm das Inserat schon zwei Stunden nach der Veröffentlichung wieder vom Netz – das Interesse war schlicht zu groß. Da saßen wir allerdings längst im Auto und waren unterwegs.
Vom Zaun aus galt mein erster Anruf meiner Frau – ich bat sie um ihr Einverständnis, das Haus verbindlich zu reservieren, ohne es je von innen gesehen zu haben. Die Agentur ging da schon nicht mehr ans Telefon, also schrieb ich sofort, dass wir unterschriftsbereit seien.
Damals, 2021, war es nicht leicht, ein Haus in der Natur zu bekommen. Alle saßen zu Hause fest, und sogar uns IT-Leute packte die Lust, dem Bildschirm zu entfliehen – hinaus in die Natur und an härtere Arbeit.
Die Schlüsselübergabe fiel ausgerechnet auf meinen Geburtstag.
Bis auf die Knochen
Mit dem Haus kam auch eine Verpflichtung, bis wann und in welchem Umfang alles saniert sein musste. Bald wurde es spannend.
Die Dachdecker sagten mir: „Wir können kommen, aber Sie haben nur ein paar Wochen Zeit für die Vorbereitung – danach fahren wir zu einem Schloss in der Slowakei.“
Eine Truppe ehemaliger Häftlinge und ihr Vorarbeiter sagten Hilfe beim Abtragen des Dachs zu. Plötzlich stand das Haus im Frühlingswetter der Berge unter einer dünnen Plane. Der Wind zerrte daran und riss die Haken aus der Mauer.
Dann kam ein Tag, der gefühlt 72 Stunden dauerte:
der Tag, der 72 Stunden dauerte
Am ersten Tag bauten meine Brüder und ich bis tief in die Nacht die Schalung rund ums Haus. Morgens ging es nach kurzem Schlaf zur Arbeit, abends kehrte ich auf die Baustelle zurück, um die letzten zehn Meter fertigzustellen. Am Morgen war alles bereit. Die Betonbauer kamen, schleppten ihre schwere Pumpe den Hang hinauf, betrachteten das Torso des Hauses und murmelten: „Sollen wir es nicht lieber gleich den Hang hinunterkippen?“
Bis auf einen Giebel war alles fertig, und ich konnte endlich in die Notaufnahme fahren, um mir einen Splitter aus dem Auge holen zu lassen, der mich den ganzen Nachmittag geplagt hatte. Ich fuhr mit einem geschlossenen Auge, als plötzlich meine Mutter anrief – wegen der Baustelle hatte sie das noch nie getan. Ich sagte ihr, über Nacht müsse ich nur noch ein Stück Giebel hochmauern, sonst schafften es die Männer vor dem Wochenende nicht, den Betonringanker zu schließen. Aufschieben ging nicht – wir waren genau am Termin, damit der Beton vor Ankunft der Dachdecker aushärtet.
Dann rief ein Bruder an und gleich darauf der zweite – Mama hatte beide alarmiert. Den ersten redete ich noch davon ab, mitten in der Nacht loszufahren; der zweite überzeugte mich. Allein hätte ich nicht die geringste Chance gehabt. Als beide um zehn Uhr abends eintrafen, taumelte ich vor Erschöpfung. Um fünf Uhr morgens waren wir fertig und fuhren nach Hause. Im Radio begrüßte man fröhlich die Verschlafenen im neuen Tag, während für mich der längste Tag gerade zu Ende ging.
Happy End
Woche für Woche nahmen wir uns mindestens einen Tag frei, um bis tief in die Nacht auf der Baustelle „Sport zu treiben“. Am Ende hatten wir das alte Haus bis auf die nackten Mauern abgeschlagen, die Böden ausgehoben und den Garten umgegraben.
Großer Dank gilt vielen Freunden und vor allem meinem Bruder Fífa, meinem Schwiegervater Petr und Gott – nie im Leben habe ich so viel gebetet wie damals, als das Dach unten war und die Baustelle aussah wie ein Torso aus einem Kriegsgebiet. Und nicht nur damals: In vier Jahren häuften sich so viele Momente, in denen ein Happy End unwahrscheinlich schien. Und doch kam es.
Seit dem Frühjahr 2025 ist das Haus geöffnet, und es macht Freude, diesen „Sanierungssport“ weiterzubetreiben, damit es die Gäste Woche für Woche ein kleines bisschen besser haben 🙂
kurze Geschichten
Von zwei frommen IT-Leuten
In Loučná heißen alle Richter – der Spediteur, der Baggerfahrer, der Baustoffhändler. Eines Tages kam Herr Richter, um mich mit einer eiligen Materiallieferung zu retten, und sagte: „Ich beliefere noch einen anderen IT-Menschen. Der hat ein Schlösschen gekauft, und wenn er anruft, sagt er immer ‚bringen Sie es mir einfach irgendwann‘. Er hat es überhaupt nicht eilig. Ab und zu richtet er ein weiteres Zimmer her, aber Hochzeiten feiern die Leute gern auch in Schlossruinen, also ist er versorgt. Vor allem aber ist er entspannt, weil er angeblich fromm ist und der Herrgott sich um ihn kümmert.“
Und ich darauf: „Ich bin auch fromm, ABER ICH HABE TERMINE!“ 🙂 Seitdem grüble ich darüber, ob das Ganze nicht auch ohne Hetze gegangen wäre. Und dabei sage ich mir Psalm 23 auf und überlege, wie man in der Praxis mit dem Vers lebt: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird NICHTS mangeln …“
Über Josif
Eines Tages fragte mich Josif: „Maty, wie viele Lkw-Ladungen Sand hast du liefern lassen?“
Ich sagte: „Keine Ahnung, aber viele.“
Und Josif zeigte mir seine kleine Maurerkelle und fügte hinzu: „Und all diesen Sand habe ich mit der hier an die Wände geworfen.“
Josif war ein Ukrainer im Rentenalter. Er hatte viele Jahre in Tschechien gearbeitet und sprach ausgezeichnet Tschechisch. Er wohnte im Haus, selbst als überall Frost herrschte, im gesamten Erdgeschoss die Böden ausgehoben waren und nur ein einziger Raum im Obergeschoss beheizt wurde. Neben sämtlichem Putz und vielem anderen rettete er auch einen furchterregenden Termin für die Vorbereitung aller Fensteröffnungen. Auch dieser Termin fiel wie durch Zauberei auf meinen Geburtstag.
Vom Einbruch
Einmal kamen etwa zwölf Kinder einer Kirchengemeinde aus Litomyšl mit zwei Betreuern, Fífa und Maty, nach Loučná nad Desnou. Am Abend erklärten die beiden Betreuer, sie hätten in letzter Minute keine Unterkunft für eine so große Gruppe auftreiben können – aber im Dorf gebe es einen Hügel und darauf zwei verlassene Häuser, und sicher störe es niemanden, wenn wir in einem davon die Nacht verbrächten und es morgens genau so verließen, wie wir es vorgefunden hatten.
Es war schon Nacht, als wir uns in zwei Gruppen aufteilten, damit jede eines der Häuser auskundschaftete. Per Funk sollten wir den anderen Bescheid geben, falls wir einen Schlafplatz fänden. Das eine Haus hatte einen offenen Keller mit eingestürztem Gewölbe – das sah seeehr gefährlich aus. Das andere hatte statt eines Dachs nur Bretter unter einer Plane, doch das Scheunentor stand offen, und dort ließ es sich übernachten. In der Ecke lag eine Leiter, und in drei Metern Höhe klaffte ein Loch in der Wand. Wir beschlossen, es zu erkunden. Allen standen die Nerven zum Zerreißen – ich musste der verängstigten Jüngsten sogar zuflüstern, sie brauche keine Angst zu haben, es sei unser Haus 🙂 Durch das Loch gelangten wir in den Wohnteil voller Betten, in eine funktionierende Küche mit Ofen … Erst dann war es Zeit, auch den anderen zu verraten, dass es unser Haus ist und sie sich Betten aussuchen dürfen 🙂
Bevor das Haus offiziell für Gäste öffnete, hatten wir hier wohl fünf Wochenendaufenthalte mit den Kindern aus der Gemeinde. Bei einem davon bauten wir ein provisorisches Dach über der Grube für den Whirlpool, häuften Schnee darauf und brachten die Temperatur darin mit einem alten Ofen etwa fünfzehn Grad über die Außentemperatur – und aßen dort gemeinsam zu Abend.
Blutvergiftung
Ich hatte eine geniale Idee: Wir bauen zu Hause die schon ältere Küche ab, bringen sie in die alte Wohnung im Ferienhaus und stellen daheim eine neue auf.
Bald zeigte sich, dass dieses Großmanöver nicht ganz so glatt laufen würde wie erhofft. Die ganze Wohnung war mit zwei halb aufgebauten Küchen vollgestellt, und dazwischen bewegte sich die übliche Besetzung: ich, Schwiegervater Petr und Bruder Fífa.
Petr war, glaube ich, frisch am Knie operiert; Fífa hatte sich einen Magen-Darm-Infekt eingefangen und war, nachdem er sich heimlich übergeben hatte, den Rest des Tages verdächtig langsam. Ich konnte mein Knie nicht beugen, weil sich mir wenige Tage zuvor im Ferienhaus ein Nagel hineingebohrt hatte und alles anschwoll und steif wurde. Etwas unangenehm war zudem, dass mein Fieber zu steigen begann.
Ich weiß nicht, ob ich von dieser fröhlichen Truppe damals am schlechtesten aussah, aber als Hanička von der Arbeit kam und mich erblickte, sagte sie „das geht so nicht“ und fuhr mich in die Notaufnahme.
Hanička ist überzeugt, man habe mir sofort etwas gegen die Schmerzen gespritzt, denn als sie sich im Krankenhaus von mir verabschiedete – ich lag mit Blutvergiftung am Tropf –, strahlte ich wie die Sonne und wiederholte, mir gehe es soooo großartig. Bis heute glaube ich, es lag nicht an den Schmerzmitteln: Mir war schlicht klar geworden, dass ich aus diesem Marathon für eine Weile ausgestiegen war und mich mehrere Tage mit nichts als einem Buch erwarteten, in Ruhe, im Bett, in der Obhut der Schwestern. Die Freude über die Ruhe floss mir zusammen mit den Antibiotika durch die Adern. (Zugegeben, es hatte auch Schattenseiten – etwa als man mir den Eiter mit einem Löffel aus dem Knie kratzte –, aber ansonsten war es einer der erholsamsten Urlaube meines Lebens.)
Vom Millionär aus der Ukraine
Eines Tages kam Josif heimlich mit einer kleinen Münze zu mir und bat mich, ihm beim Verkauf zu helfen – jemand habe sie irgendwo in der Ukraine gefunden, und sie sei ein Vermögen wert. Ich suchte auf numismatischen Seiten, und tatsächlich handelte es sich um eine Rarität im Wert von mehreren Millionen. Josif sah sich schon das Nachbarhaus kaufen, und ich begann, Münzexperten anzuschreiben. Ich glaube, es war ein Dozent der Karls-Universität, der so freundlich war, mir die traurige Nachricht zu schreiben: eine Fälschung. Schade. Ein so fleißiger und ehrlicher Mensch wie Josif hätte es verdient, im Alter Millionär zu werden. Auf Herrn Richter machte es stets Eindruck, wie gewissenhaft und selbstständig er dort ganz ohne Aufsicht arbeitete.
Die Maurerarbeiten bei mir mussten irgendwann enden, und Josif zog weiter. Ein halbes Jahr später hörte ich, der Krebs habe ihn niedergestreckt und die Ärzte gäben ihm nur noch wenige Monate. Doch er kam durch und läuft angeblich bis heute zwischen den Chemotherapien auf Baustellen in Olomouc herum.
Kontakt
Loučná nad Desnou, Rejhotice 118, Tschechien
Matyáš und Hana Hájek
info@cha-lu-pa.cz
721 641 358





















